Buch #6 – Ready Player Two

Heute erscheint die deutsche Ausgabe von Ready Player Two, dem Nachfolger von Ernest Clines gefeiertem Science Fiction Bestseller Ready Player One, der inhaltlich vor allem durch Nerdigkeit und popkulturelle Querverweise von sich reden machte und ob seiner massentauglichen retro-nostalgischen Referenzen schließlich von Steven Spielberg auch noch erfolgreich in Filmform verblockbustert wurde.

Dankenswerterweise hat uns der Fischer Tor Verlag vorab schon ein Rezensionsexemplar zukommen lassen und nach Freie Geister hat sich Jeff nun auch dieses Buch vorgenommen und es auf seine Darstellung von Geld in der Zukunft und dessen Bedeutung für Gesellschaft und Geschichte hin gelesen.

📖 Ernest Cline – Ready Player Two 📖

Soviel vorab: Für Fans des ersten Buches wird Ready Player Two, so der konsequent gewählte Name der Fortsetzung, eine spannende Lektüre in der altbekannten Welt der OASIS sein. Die OASIS ist eine gigantische virtuelle Realität, die im Jahr 2046 auf einer wirtschaftlich zu Grunde gerichteten Erde den einzigen Hoffnungsschimmer für Milliarden von Menschen darstellt, die darin den überwiegenden Teil ihres Lebens verbringen. 

E. Cline: „Ready Player Two“, Fischer Tor, 464 Seiten, 16,99 Euro

Nachdem der junge Gamer Parzivall in Ready Player One auf einer Schnitzeljagd quer durch die Weiten der OASIS gehetzt wurde, um nach den Easter Eggs des exzentrischen Programmierers Halliday zu suchen und ihn schließlich als Firmenchef der OASIS zu beerben, widmet sich der Nachfolgeband den neuen Herausforderungen dieser Rolle. Parzivall, der im Meatspace Wade Watts heißt, muss nicht nur mit den Herausforderungen seiner neuen Position als CEO klarkommen, sondern bekommt noch schwierigere Puzzle in Form einer weiteren Ostereier-Suche vorgelegt. Wenn er diese Prüfung nicht besteht, wird, wie sollte es auch anders sein, die Welt untergehen. 

Auf dem Weg dahin bekommt die OASIS ein zeitgemäßes Upgrade, nämlich ein vollumfänglich funktionierendes Brain-Computer-Interface, genannt ONI, was die Immersion beim Aufenthalt in der OASIS vervollkommnet und eine Unterscheidung zur “echten” Welt komplett aufhebt. Dabei trifft Wade auf alte und neue Mitspieler, gibt beiläufig ein paar Milliarden Dollar seines neu erworbenen Reichtums aus, baut ein Raumschiff und versucht außerdem, seine große Liebe zurückzugewinnen. 

🎶 It was acceptable in the 80’s 🎶

Und wie bei der Eiersuche im ersten Teil hilft ihm dabei sein fast schon enzyklopädisches Wissen jeden Trivial-Aspekt der Popkultur der Achtziger Jahre betreffend. Seitenweise werden Fakten über die Filme von John Hughes, sämtliche Werke von J.R.R. Tolkien oder die komplette Vita von Prince ausgebreitet und an der richtigen Stelle dramaturgisch durchaus geschickt eingebaut.

Wie für einen zweiten Teil erwartbar wird dabei jedoch jeder noch so obskure Nebencharakter eines alten Atari-Spiels, der es nicht in den ersten Teil geschafft hat, als Level-Boss bemüht, und irgendwann, wenn man sich durch das digitale Gemetzel durchgelesen hat, muss sich Parzivall auch dem allerletzten Endgegner stellen, die Welt und seine Prinzessin Peach retten.

💵 Geld – das undefinierte Mysterium 💵

Mit Geld hat das Buch dabei wenig bis überhaupt nichts zu tun. Es wird zwar ab und zu erwähnt und man würde meinen, es sei auch notwendig, zu erklären, wie dieses Geld- und Transaktionssystem in dieser sehr speziellen transnationalen Mega-Welt mit Milliarden von Einwohnern funktioniert. Doch war das offensichtlich nicht das Anliegen des Autors. 

Wie in vielen anderen futuristischen Geschichten wird Geld auch in der Zukunft von Ready Player Two als mehr oder weniger gegeben vorausgesetzt, dabei aber nicht wirklich weitergedacht. Es gibt Referenzen an Credits, Dollars und Simoleons, doch obwohl die Handlung in etwa 30 Jahre in der Zukunft spielt und die Wirtschaft der USA in einem desolaten Zustand ist, scheint der Wert des US-Dollars auf wundersame Weise noch immer in etwa dem heutigen Wert zu entsprechen.

Inflation, die Möglichkeit einer durch Krisen verursachten Abwertung oder erstarkende Währungen anderer aufstrebender Großmächte existieren nicht. Transaktionen werden auch in der digitalen Parallelwelt der OASIS in Dollar getätigt. Die Übertragung von einem Nutzer zum anderen erfolgt innerhalb dieser Simulation in Sekundenschnelle durch Eingabe einiger Icons auf einem virtuellen Interface. Warum Wade seinen Reichtum nutzt, um einen Teil der Staatsschulden der „leidgeplagten US-Regierung“ zu begleichen, bleibt rätselhaft und verwirrend, ist dem Autor aber auch nicht mehr als einen Nebensatz wert.

📊 Fazit: Viel Retro, wenig Future 📊

Wo Ready Player One im Jahr 2011 mit einem spannenden erzählerischen Ansatz und dem bildhaften Ausmalen von sich abzeichnenden Entwicklungen der virtuellen Realität gespickt mit einer gehörigen Portion Nerdigkeit punkten konnte, fehlen dem Nachfolger zehn Jahre später leider eine frische Vision und Originalität. Im Jahr 2021, in denen Großkonzerne wie Microsoft, Facebook und Apple schon eigene VR- und AR-Produkte etabliert haben, die Forschung an Brain-Computer-Interfaces bereits läuft und NFTs für 69 Millionen Dollar verkauft werden, wirkt das futuristische Setting des Buchs fast schon veraltet.

Womöglich war die Zukunft beim Schreiben des Buches beim Autor einfach noch nicht angekommen. Bekanntlich ist sie ja ungleich verteilt. Wer sich dennoch darauf einlässt, bekommt mit Ready Player Two aber eine spannende Geschichte, wenngleich ohne wirkliche Magic Future Money-Vision.

🏆 Freiexemplar gewinnen🏆

Wer sich nun davon selbst ein Bild machen will, kann ein Exemplar von Ready Player Two gewinnen, das uns Fischer Tor freundlicherweise zur Verlosung zur Verfügung gestellt hat. Schreibt mir dafür bis zum 31.03.2021 eine Mail. Das Buch gewinnt, wer den kreativsten Magic Future Money-Namen für eine digitale/virtuelle Währung vorschlägt, die Ernest Cline statt „Dollar“ hätte verwenden können.


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