Inspiration #3 – Die Bargeld-Chimäre

Bei meinen Recherchen zum Geld der Zukunft bin ich schon vor einiger Zeit bei Quartz auf den bemerkenswerten Artikel Smart banknotes will be the cash of the future gestoßen, der einen völlig neuen, wertvollen Gedanken in die Debatte um die Zukunft des Bargelds einbringt.

Bisher ist die vorherrschende Annahme ja, dass Bargeld im Zuge der Digitalisierung seine physische Form komplett verlieren werde. Eine Annahme, die so naheliegend und wahrscheinlich ist, dass es schwer ist, sich Alternativen zu diesem Szenario vorzustellen. Warum auch?

Doch genau das macht der Autor Ignacio Mas, indem er die Idee von „smarten Banknoten“ aufwirft. Dabei handelt es sich um physische Geldscheine, die als einfache Blanco-Banknote erst einmal wertlos sind. Über das Handy oder ein Kassensystem können sie jedoch schnell und einfach mit einem beliebigen Wert aufgeladen werden. Ein Chip und ein E-Ink-Display zeigen und verifizieren diesen. Wird „das Geld“ irgendwann wieder abgebucht, wird der Wert wieder mit einem digitalen Bankkonto oder einem Online-Kassenbuch verrechnet und die Banknote wieder zu einem Blanco-Schein.

With such a system of smart banknotes, everyone could take the matter of cashing in and out into their own hands. Your phone truly becomes a personal ATM.“

Digital? Analog? Sowohl als auch!

Ich finde diese Idee deshalb so spannend, weil sie einerseits eine neue Perspektive auf digitales Bargeld aufzeigt und gleichzeitig die Bedenken adressiert, die sich aus der viel diskutierten kompletten Abschaffung physischen Bargelds ergeben. Schließt das eine gezwungenermaßen das andere aus? Wie könnte eine digital-analoge Zwischenlösung aussehen? Was, wenn doch mal das Internet nicht verfügbar ist? Was, wenn man das Grundrecht auf Privatsphäre bei Alltags-Finanztransaktionen garantieren möchte?

Smarte Banknoten als eine Art „Bedarfsbargeld“, „Kurzzeit-Bargeld“ oder „Übergangsbargeld“ sehe ich in diesem Zusammenhang als faszinierende und interessante Ergänzung, über die es sich lohnt, nachzudenken. Vor allem, weil dabei die medienspezifischen Eigenschaften von Bargeld stärker berücksichtigt werden, als das in der Debatte bisher der Fall ist. Digitales Bargeld können Großeltern schließlich schlecht in die Geburtstagskarte für die Enkel legen. Eine smarte Banknote schon.

Wie würde eine Welt mit smarte Banknoten aussehen?

Doch welche anderen Nutzungsszenarien ergeben sich daraus? Lässt sich Kokain ebenso gut durch ein gerolltes E-Ink-Display schnupfen wie durch die 100-Dollar-Note? Lassen sich die smarte Scheine hacken und umprogrammieren? Mit coolen smarten Verträgen koppeln? Wird „smart banknote animation designer“ vielleicht mal ein erstrebenswertes Berufsbild?

Noch wissen wir all das nicht, aber vielleicht erzählt uns ja eine Geschichte im Magic Future MoneyWettbewerb davon.


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